Marketing-Tipps für Startups: Die acht wichtigsten Tops und Flops

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Es war schlichtweg Murks, was Spencer Silver ablieferte: Einen Superkleber hatte das US-Unternehmen 3M in Auftrag gegeben. Doch mehr als eine seltsam pappige Masse brachte Silver nicht zustande. Eine Probe davon lieh sich Jahre später ein Kollege aus, um Lesezeichen für sein Gesangsbuch herzustellen. Siehe da: Plötzlich flatterten seine Markierungszettel nicht mehr davon. Von da an verdiente 3M ein Vermögen mit kleinen, gelben Zetteln. Dass am Ende was ganz anderes entstehen kann als geplant, musste auch der Chemiker Roy Plunkett erfahren. Beim Experimentieren mit Kühlgasen stellte er fest, in einem Gefäß hatte sich ein wachsartiger Überzug niedergeschlagen. Auf die Idee, Töpfe und Pfannen damit zu beschichten, kam dann eine französische Hausfrau. Denn der Überzug war so glatt, dass nichts anbrannte. Sowohl die Teflonpfanne als auch der Post-it-Zettel lehren uns: Bis sich etwas durchsetzt, kann es dauern.
Und heute? Ideen und Innovationen sind entscheidende Wachstumstreiber. Allein die Weiterentwicklung bestehender Produkte und Dienstleistungen wird bis 2020 zu einem weltweiten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von fünf Billionen US-Dollar führen. Das hat die internationale Managementberatung Bain & Company errechnet. Wie man den Umsatz zum Laufen bringt, zeigt beispielsweise der Boom bei Coffee Shops, Kaffeepads und Kapseln. Die Kauflust steigt, weil die Konsumenten verstärkt zu Premiumprodukten wie Cafe Latte aus dem Coffee Shop greifen. Für Unternehmen bedeutet das, dass ihre Preisspielräume wachsen. Je besser es darüber hinaus gelingt, mit vielen Poduktvarianten Marktnischen zu besetzen, desto mehr steigt die Gesamtnachfrage. Am iPhone lässt sich diese Entwicklung ebenfalls festmachen. Auch in Lowtech-Branchen ist dieser Trend festzustellen. In Biosupermärkten sind Verbraucher bereit, erheblich mehr für Lebensmittel zu zahlen, weil die Qualität stimmt.
Der Aufbruch in die „Post-PC-Ära“, in der das Internet richtig an Fahrt aufgenommen hat, erhöht den Innovationsdruck. Da Zyklen und Trends der digitalen Wirtschaft immer weniger berechenbar sind, zögern jedoch die Investoren. Die geplatzten Träume der Internet-Blase um das Jahr 2000 sind vielen noch schmerzlich im Gedächtnis. In deutsche Internet-Startups wird deshalb vergleichsweise wenig Geld gepumpt. „Niemand bläst Millionen für das Marketing raus, bevor ein Konzept den Realitätstest bestanden hat“, sagt beispielsweise Christian Nagel, Mitgründer des Investment-Unternehmens Earlybird. Das Dilemma ist: Wie erkennt man, welches Potenzial in einer Graragenfirma steckt, um zum „Global Player“ zu werden? Weil in Startups meist diejenigen sitzen, die sich den Umgang mit neuen Technologien ebenso unaufgeregt wie schnell aneignen, hat die altehrwürdige CeBIT jungen Internet-Unternehmens erstmals ein breites Forum gegeben, frei nach dem Motto: "Von Startups lernen, heißt siegen lernen". Der auf der CeBIT verliehene Innovationspreis-IT 2012 im Bereich Wissensmanagement ging übrigens an Q-Sensei, deren Such- und Indexplattform es Firmen ermöglichen soll, die heutige Datenfülle besser nutzbar zu machen. Wahrlich keine schlechte Idee.
Wer Preise einheimst und die CeBIT als Bühne hat, der hat die ersten Hürden für Startups bereits erfolgreich genommen. Man findet öffentliche Aufmerksamkeit. Das ist ein nicht zu unterschätzender Startvorteil, denn die Vielstimmigkeit digitaler Kommunikation auf zahllosen Kanälen erschwert es heute selbst etablierten Konzernen, wahrgenommen zu werden. Fehlendes Kapital ist die eine Sache, an denen Startups oft scheitern. Dazu kommen typische Marketing-Stolperfallen, die in der Praxis immer wieder auftreten. Die wichtigsten habe ich hier aufgelistet - verbunden mit Tipps, wie man es besser macht. Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass ein Produkt überhaupt seine Nische finden kann:
- Identität schaffen: Marketing dient dazu, das Profil eines Unternehmens als unverwechselbar auf dem Markt zu positionieren. Dabei ist Kontinuität gefragt. Sprunghafte Ad-hoc-Entscheidungen bringen nichts. Im Marketing-Blog des Wirtschafts-Magazins Forbes war kürzlich der Ratschlag zu lesen, Gründer sollten vorab "in einem Satz beschreiben, was Ihr Unternehmen ist und was es macht." So was schafft Klarheit. Der emotionale Mehrwert gewinnt zunehmend an Bedeutung. Wer als Kunde sagt: „Ich habe was Einzigartiges erlebt / gekauft / gefunden“, trägt diese Botschaft in der Regel weiter.
- Keine Schrotschuss-Lösungen: Konzentrieren Sie sich mit ihrem Angebot - vermeiden Sie, sich im Eifer des Gefechts zu "zerfasern". Dazu zählt, eine oder ausgewählte Zielgruppen zu identifizieren und mit einem Angebot und Maßnahmen anzusprechen, die exakt für diese entwickelt wurden. Akquise nach dem Motto: "Ein Bauchladen - für jeden etwas" hat keine Zukunft.
- Positive Präsenz: Die einmalige Präsentation eines Unternehmens und seines Angebots ist sinnlos. Marketing als Ganzes – und Kommunikation im Speziellen – muss als stetiger Prozess verstanden werden. Dabei gilt es, eine Grundregel zu beachten, die von der amerikanischen Marketing-Expertin Marcia Kadanoff so formuliert wurde: "No one ever bought because you bored them to death". Aufmerksamkeit erntet nur, wer Interessantes mitzuteilen hat. Interessant heißt: Rück Deine Alleinstellungsmerkmale in den Vordergrund.
- Professionelle PR- und Pressearbeit: Welche Themen haben Nachrichtenwert und welche formalen Standards gelten für Pressemitteilungen? Klingt banal, entscheidet aber oft genug darüber, ob ein Thema in Hochglanzaufmachung Eingang in ein Wirtschaftsmagazin findet - oder im Papierkorb landet. Der Inhalt von Pressemitteilungen muss folgenden Kriterien genügen: Nicht zu „werblich“, viele nachrichtlich verwertbare Informationen, Verzicht auf überschäumendes Eigenlob, keine formalen Fehler. Es gibt PR-Portale, die gegen überschaubare Kosten von bis zu einigen hundert Euro eine Mitteilung in die entsprechenden Seiten einpflegen. Hier wäre unter anderem die dpa-Tochter www.presseportal.de zu nennen. Der Vorteil: Man spart Zeit und muss lediglich initial tätig werden. Als wichtige kostenlose Portale gelten www.firmenpresse.de sowie www.openPR.de. Einen guten Überblick, wer was zum Nulltarif veröffentlicht, findet sich hier. Wer zudem einen Draht zu Bloggern findet oder sich in Fachforen aktiv einbringt und äußert, stößt eher auf Resonanz als jemand, der darauf verzichtet.
- Die richtigen Kanäle: Die Welt wird immer digitaler. Doch nicht immer sind die Online-Kanäle zielführend für den Erfolg des eigenen Startups. Die Altergruppe 50+ ist beispielhaft: Ihre Online-Affinität nimmt im starken Maße zu. Dennoch lässt sich diese Altergruppe nach wie vor vorwiegend über klassische Medien – Zeitungen, Outdoor, Fernsehen und Hörfunk – ansprechen. Der Wahl der richtigen Kanäle und deren zielgruppengerechte Bespielung kommt somit eine entscheidende strategische Bedeutung zu. Wer beispielsweise als netzbasiertes B2C-Startup eine breite Öffentlichkeit im Visier hat, wird sich (meist schon aufgrund von Budgetrestriktionen) um die Gewinnung einer jungen, Netz-affinen Zielgruppe bemühen, die bereit ist, „digitale Botschafter“ des Unternehmens zu werden. Unabhängig von den Zielgruppen darf die steigende Bedeutung von Bewegtbild nicht unterschätzt werden. Die Einbindung von Videos (z.B. kleine Produktpräsentationen auf Youtube) schafft meist messbaren Traffic. Doch egal mit welcher Strategie Sie die ausgewählten Kanäle und Zielgruppen auch bedienen, achten Sie darauf, ein konsistentes Unternehmensbild und eine einheitliche Botschaft zu transportieren. Gerade bei eingeschränkten finanziellen Mitteln.
- Soziale Netzwerke: Unabdingbar sind Social Media-Aktivitäten, die auf die freiwillige Multiplikator-Tätigkeit von Usern setzen – auf die digitale Mund-zu-Mund-Propaganda. Facebook-Gewinnspiele und Wettbewerbe beispielsweise sind Angebote, die zur Teilnahme motivieren können. Und warum nicht die User fragen, wenn es darum geht, ein neues Design zu diskutieren, ein neues Logo zu finden oder Verbesserungspotential Ihres Angebotes aufzuzeigen? Binden Sie Ihre potentiellen Kunden emotional ein und lernen Sie aus der Diskussion, wie Nutzer beispielsweise Ihr Unternehmen/Ihr Angebot sehen. Besonders erfolgreiche "Crowdsourcing- oder Schwarmintelligenz"-Ansätze ziehen weite Kreise und eröffnen Ihnen ein großes Auditorium mit einer überdurchschnittlichen Wahrnehmung. Eine solche Öffentlichkeit ist unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten von Startups nur machbar, wenn – vor allem im Netz – darüber geredet wird. Nutzen Sie die viralen Effekte des Netzes – nutzen Sie die Möglichkeiten des digitalen Empfehlungsmarketings. Bei Sozialen Netzwerken ist etwas Grundsätzliches zu bedenken: Die Anfangsinvestition ist "spottbillig". Zu Buche schlägt die kontinuierliche Betreuung, denn der Aufbau einer digitalen Reputation und eines digitalen, sozialen Netzes ist (wie auch im wahren Leben) langwierig und "time-consuming". Wer das nicht leistet, ist in der Meinung der User schnell unten durch. Für Startups heißt dies meist: Wer seine Geschäftsidee zum Laufen bringen will, muss sich schon selber darum kümmern.
- Beschränkte Budgets: Wie immer geht es ums Geld. Gerade bei Startups stehen Marketing- und PR-Maßnahmen unter dem Vorbehalt finanzieller Beschränkungen. Für eine gezielte, nachhaltig inszenierte Öffentlichkeitsarbeit ist meist kein Geld vorhanden. Deshalb ist es notwendig, den Gedanken der viralen Verbreitung, des Gewinns von Reputation via User, ins Zentrum zu rücken. Als „unterstützende Anschubmaßnahmen“ sind für B2C-Startups ferner klassische öffentlichkeitswirksame Aktionen denkbar. Das kann etwa ein Sponsoring im kleinsten Rahmen sein. Gewinnspielaktionen mit lokalen Radiosendern, Verlagen oder Stadtmagzinen könnten beispeilsweise eine Option für unterstützende werbliche Maßnahmen darstellen. Wer diese entsprechenden Verbreitungswege wählen will: Hier finden sich Listen kleiner Radioanbieter und von Regionalzeitungen.
- Mutig und kreativ: Um ein Startup zu gründen, benötigt man eine nachhaltig überzeugende Idee, Tatkraft, Mut und Kreativität. Und exakt dieselben Eigenschaften benötigen Sie für erfolgreiches Startup-Marketing: Definieren Sie Ihre Idee und beschreiben Sie diese kurz und knapp, damit Ihre Zielgruppen ebenfalls kurz und bündig von ihrem Mehrwert überzeugt werden. Seien Sie kreativ in Ihren Marketing-Maßnahmen: Wenn Sie nur das machen, was alle machen, gehen Sie im Marktgeschrei unter, denn Ihre Lautstärke wird nicht ausreichen, um die anderen zu übertönen. Seien Sie mutig: Trauen Sie sich neue Wege zu. Akzeptieren und gestehen Sie sich dabei auch mal einen Fehlgriff zu. Nur so können Sie wirklich erkennen, was speziell Ihrem Startup in der Gründungsphase wirklich hilft. Wenn klar wird, dass etwas nachhaltig keine Resonanz findet oder gar massiv abgelehnt wird, dann drehen Sie an den entsprechenden Stellschrauben. Dies ist ein notwendiger Lernprozess. Gerade in der Digital-Ökonomie ist dieses ständige "Nachjustieren" gang und gäbe. Und zum Schluss: Zeigen Sie eine gewisse "Hemdsärmligkeit" und Tatkraft. Sie müssen die Dinge selber in die Hand nehmen und kontinuierlich vorantreiben. Glauben Sie nicht fälschlicherweise, mit einer Pressemitteilung sei die Aufgabe erledigt. Das ist sie nicht. Bleiben Sie hartnäckig - auch im Marketing.
Fazit: Auch für Startups gibt es keinen Marketing-Königsweg. So unterschiedlich wie die Startups müssen auch die Marketing-Strategien ausfallen. Aber es gibt ein paar Gemeinsamkeiten. Eine Orientierung an den oben genannten Tipps kann hilreich sein. So oder so, wichtig bleibt aber immer, dass Sie über alle bedienten Kanäle, Maßnahmen und Ziegruppen eine konsistentes Unternehmensbild und eine einheitliche Botschaft transportieren. Gerade bei eingeschränkten finanziellen Mitteln eine zwingende Voraussetzung.
Faszinierend, würde Mr. Spock sagen.




